Mittelalterliche Burg Bečov

Den wichtigsten und wertvollsten Bestandteil der Anlage stellt die mittelalterliche Burg dar, die wie durch ein Wunder ihr ursprüngliches Aussehen bis in die Gegenwart behalten hat. 

Zu den kostbaren Sehenswürdigkeiten gehören z. B. Malereien in der Burgkapelle (aus den 50er bis 60er Jahren des 14. Jahrhunderts), erhaltene gotische Holzkomponenten (bemalte Deckenbalken, Fensterriegeltaschen, Fenstersitze, Gestelle), spätgotische Steinportale, Wandmalereien, barocke hölzerne Nutzkonstruktionen (von Futterstöcken und Türen über Fussböden bis zu Dachstühlen).

Die Burg ragt auch durch die zahlreichen epigraphischen Quellen, die an den Wänden verewigt wurden, und Elemente hervor, die Aussagen über bauliche Vorgänge, Ausstattung der Räume, Entwicklung der Innenräume (Herrichtung der Wände, Aborte, Heizanlagen), Raumanordnung und Kommunikationsschema treffen. In dieser Richtung hat die Burg Bečov in der Tschechischen Republik keine Konkurrenz.

Die Burg wurde wahrscheinlich am Anfang des 14. Jahrhunderts von den Herren von Osek, denen sie dann zusammen mit der ausgedehnten Domäne bis 1407 gehörte. Die Anfänge der Burg bleiben jedoch in Einzelheiten ungeklärt.

Die Burg bestand aus der Vorburg, von der wir nur ihre Umrisse kennen, und aus dem Burgkern, der sich auf dem Felsenvorsprung befand. Der Eingang in die Burg wurde von einem rundlichen Turm, dem sogenannten Bergfried, geschützt.

An der Gegenseite erhob sich ein länglicher Turm, wohin, wahrscheinlich nachträglich, in der Mitte des 14. Jahrhunderts, die Kapelle der Maria Heimsuchung eingebaut wurde. Etwa fünfzig Jahre später wurde die Kapelle mit der beeindruckenden und bisher erhaltenen gotischen Malerei im Stil "al seco" versehen. Es handelt sich um Wandmalerei im trockenen Verputz. Die Malereien in der Kapelle stellen Szenen aus dem Neuen Testament dar.

Gerade in jener Kapelle wurde im Jahre 1985 der Reliquienschrein des heiligen Maurus entdeckt.

In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde in die nordwestliche Ecke der Burganlage noch ein viereckiger Turm eingebaut, der von einem Burggraben umgeben war.

Während der Hussitenkriege, im Jahre 1430, wurde die Burg niedergebrannt und ausgeplündert.

Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurde die Burg als ein Pfandobjekt von mehreren adeligen Familien gehalten, die Pflugs von Rabenstein waren die wichtigsten. Sie kauften die Domäne im Jahre 1495.

Dank der erfolgreichen und gewinnbringenden Zinnförderung im Gebiet von Slavkov bedeutete die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts den Höhepunkt für die Bauentwicklung der Burg Bečov.

Jan Kašpar Pflug, der Oberkanzler und Montanhauptmann des Königreichs Böhmen, nahm eine umfangreiche Umgestaltung der Burganlage in Angriff. Er verband den Wohnturm (Donjon) und den Kapellenturm durch einen Verbindungstrakt und erbaute im Renaissancegeist einen neuen Repräsentations- und Wohnpalast, der später als Pflugs Palast bezeichnet wurde.

Als Strafe für die Teilnahme der Familie Pflug an dem ersten Standesaufstand gegen Ferdinand I. aus dem Hause Habsburg wurde die Domäne von Bečov konfisziert. Die Domäne diente dann als Pfandobjekt für Schulden der kaiserlichen Kammer.

Im Jahre 1624 wurde die Domäne von der Familie Questenberg gewonnen. Unter den Questenberg wurde in der Burg eine kaiserliche Garnison stationiert, die hier bis 1648 blieb. Damals wurde sie vom schwedischen General Königsmark gefangengenommen, der die Stadt und die Burg eroberte.

Nach dem Ende des Dreissigjährigen Krieges wurde die Burg Bečov als "leer" erwähnt. Gleichzeitig musste ein beträchtlicher Teil der ursprünglichen mittelalterlichen Befestigung entfernt werden.

Im Jahre 1945 wurde das Schloss der Familie Beaufort-Spontin auf Grund der Dekrete des Präsidenten der Republik aus dem 25. Oktober 1945 über die Konfiskation des feindlichen Eigentums konfisziert.

Im Jahre 1996 wurde das Barockschloss für die Öffentlichkeit feierlich geöffnet. Gegenwärtig werden dort Rekonstruktions- und Bauarbeiten durchgeführt, und deshalb ist die Burg für die Öffentlichkeit geschlossen.